116 Nobelpreise – und trotzdem ein Wirtschaftsproblem?
Wirtschaft und Vertrieb können wir einfach nicht!
Ab morgen…
…werden die diesjährigen Nobelpreisträger verkündet.
Deutschland blickt auf eine außergewöhnliche Nobelpreisgeschichte zurück. 116 Preise, Platz 3 international hinter USA und UK.
Aber man kann sich die Daten aus verschiedenen Perspektiven anschauen:
1️⃣ Zeit
Deutschland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Weltmacht. Heute verteilt sich Spitzenforschung wesentlich breiter.
📊 Ein Drittel davon fiel zwischen 1901 und 1932. Röntgen, Planck, Einstein, Haber, Koch.
📊 Damals: rund 1,2 Preise pro Jahr. Seit 2000: rund 0,7.
📊 2024 und 2025: null.
Unsere Glanzzeit liegt also nicht gestern. Sie liegt hundert Jahre zurück.
2️⃣ Einwohnerzahl
116 Preise wirken gigantisch. Pro Million Einwohner sieht es anders aus:
🇸🇪 Schweden: 3,2 Preise je Million Einwohner
🇨🇭 Schweiz: 3,0
🇦🇹 Österreich: 2,7
🇬🇧 Großbritannien: 2,1
🇩🇪 Deutschland: 1,4
🇺🇸 USA: 1,3
Größe ist kein Vorteil, wenn man sie nicht nutzt.
Kenne ich aus dem Mittelstand: Das Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern ist nicht automatisch innovativer als das mit 200. Oft ist es umgekehrt. Weil die Kleinen gezielter in einzelne Köpfe investieren, schneller entscheiden, weniger verwalten. Absolute Zahlen beruhigen. Relative Zahlen zeigen die Wahrheit.
3️⃣ Kultureller und religiöser Hintergrund
Knapp ein Viertel der Menschheit ist muslimisch.
Nobelpreise in den Naturwissenschaften für Forscher muslimischer Herkunft: eine Handvoll.
Rund 0,2 % der Weltbevölkerung sind jüdisch. Anteil an allen Nobelpreisträgern: rund 22 %.
Und im ersten Jahrhundert des Preises hatten etwa zwei Drittel aller Preisträger einen christlichen Hintergrund.
Spannend ist somit die Frage: Welche Kulturen und gesellschaftlichen Bedingungen fördern Bildung, wissenschaftliche Neugier, welche erlauben Zweifel, Widerspruch und Erkenntnis? Und welche holen die besten Köpfe aus aller Welt?
4️⃣ Fachdisziplin und Ableitung
In Wirtschaftswissenschaften spielt Deutschland kaum eine Rolle. Reinhard Selten erhielt 1994 den Wirtschaftspreis für seine Arbeiten zur Spieltheorie. Seitdem kam aus Deutschland wenig nach.
Zum Vergleich: Physik 36. Chemie 36. Medizin 27. Wir sind ein Land, das brillant erfinden kann. Aber offenbar kaum erklärt, wie man daraus Märkte macht.
Sehe ich jede Woche im Mittelstand:
💡 Technisch Weltklasse.
💰 Im Vertrieb Kreisklasse.
🚥 Und bei Strategie heißt es: „Wir machen das, was wir immer gemacht haben - nur besser."
Das MP3-Format wurde in Erlangen entwickelt. Das Geld damit verdient hat Apple.
Wir sind noch immer gut in Forschung, stark bei Patenten, haben hervorragende Ingenieure.
Aber Wissen allein schafft noch keinen Wohlstand. Dafür müssen wir Wissen in Produkte übersetzen, Produkte in Geschäftsmodelle*, Geschäftsmodelle in Wachstum*. Und Menschen kontinuierlich weiterentwickeln.*
Sieht es jemand anders?