Der Markt hört nicht auf deutsche Befindlichkeiten

Gastauthor

von Markus Milz

30.12.2025

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Was wir Deutschen derzeit schmerzhaft lernen:


Moral und Ideologie verkaufen sich schlecht. Zumindest langfristig und wenn es an den eigenen Geldbeutel geht…


Munition offenbar besser.


„Junge Frau ballert mit Maschinengewehr.“ Solche Geschäftsmodelle existieren, weil sie funktionieren. Ebenso wie spritfressende Pickups im Überfluss oder in Plastikfolie eingepacktes Plastikbesteck/-Teller als Einweg beim Hotelfrühstück.


Kein Shitstorm.

Kein Rechtfertigungsdruck.

Kein gesellschaftlicher Konsens nötig.


Ebenso wie für 40 Dollar den Abzug drücken und Erlebnis kaufen.


Während wir in Deutschland diskutieren, ob Sprache, Heizung oder Fleisch moralisch korrekt sind, wirbt man andernorts für Maschinengewehr-Erlebnisse.


Willkommen in der Realität.


Brüssel und Berlin glauben, Märkte über Moral und Ideologie steuern zu können - dieses Billboard an dem ich gestern vorbeikam zeigt eine andere Logik:


Märkte folgen Kultur und Nachfrage, nicht moralinsauren Debatten.


Wir führen endlose Diskurse über Verantwortung, Haltung und Vorbildfunktion. Und gehen dabei vor die Hunde.


Gleichzeitig überschätzen wir systematisch unsere Bedeutung außerhalb unseres eigenen Resonanzraums.


Die USA sind ein Markt von kontinentaler Größe mit einer kulturellen Selbstverständlichkeit, die sich nicht an europäischen Befindlichkeiten orientiert.

Was wir für „undenkbar“ halten, ist dort alltäglich.

Was wir für „inakzeptabel“ erklären, ist dort Geschäftsmodell.


Und nein – das ist keine Verteidigung dieses Modells.

Es ist eine nüchterne Feststellung.


Wer international denkt, muss akzeptieren, dass andere Gesellschaften andere Prioritäten haben.

Andere Schmerzgrenzen.

Andere Definitionen von Freiheit.


Und wer glaubt, man könne diese Unterschiede durch moralische Appelle nivellieren, verkennt sowohl Marktdynamik als auch kulturelle Trägheit.


Vielleicht sollten wir weniger darüber sprechen, wie die Welt sein sollte –

und mehr darüber, wie sie tatsächlich funktioniert.


Ich freue mich auf Widerspruch – idealerweise fundiert.