Geschwindigkeit ist die neue Wettbewerbsfähigkeit

Gastauthor

von Markus Milz

12.02.2026

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Märkte sterben fast immer auf die gleiche Art:


Europa verliert nicht primär an Innovationskraft. Europa verliert vor allem an Geschwindigkeit – und an Preislogik.


Die Debatte in Deutschland ist meist moralisch oder politisch. In Unternehmen ist sie operativ: Was passiert mit meinem Preisanker in den nächsten Monaten?


Chinas Wettbewerbsvorteil ist zunehmend kein Produkt-Feature – sondern Skalierung, Daten und Lernkurve. Und das wirkt wie eine Druckwelle: erst in Vorstufen, dann in Komponenten, dann in Systemen, am Ende in ganzen Geschäftsmodellen.


Wenn ein Markt in diese Logik kippt, passiert fast immer Folgendes:


1️⃣ Ein Wettbewerber setzt einen aggressiven Einstiegspreis (oft app-subventioniert)

2️⃣ Die Nachfrage wird über Daten, CRM und schnelle Iteration „gezogen“

3️⃣ Das Format skaliert über standardisierte, kostengünstige Einheiten

4️⃣ Der Preisanker verschiebt sich – und bleibt dort. Geiz ist halt doch geil.

5️⃣ Etablierte Anbieter reagieren mit Rabatten – und verlieren Marge ohne strukturelle Antwort


In der Industrie ist das längst Realität – mit Zahlen, die man nicht wegmoderieren kann:


• Robotik: 2024: 295.000 Neuinstallationen in China (54% global!). Wer am meisten installiert, sammelt am meisten Applikationswissen – und exportiert es später.


• PV: >80% entlang der Supply Chain, globale Kapazität >1.100 GW, Preise seit 2023 >50% gefallen. Kapazität schlägt Moral.


• Batterien: Nachfrage >1 TWh, Preisniveau < 100 USD/kWh – der Preisanker verschiebt sich strukturell. Europa kann das nicht „wegdiskutieren“, sondern muss es in Business-Cases einpreisen.


• EV: China als Produktionshub >70%; 2025: 16 Mio. Produktion, 2,6 Mio. Export. Overcapacity wird Exportdruck. Exportdruck wird Preisdruck.


Was folgt daraus strategisch? Drei Dinge, die in Transformationsprogrammen meist zu spät kommen:


1️⃣ Preisarchitektur statt Rabattmanagement. In preissensitiven, commoditisierenden Märkten brauchst du modulare Value-Stacks, SLA-Preise, TCO-Beweise, klare Segmentierung – und eine Governance, die Preisdurchsetzung möglich macht.


2️⃣ Datennutzung als Kernkompetenz im Vertrieb: Wer Kundendaten sauber sammelt, kann schneller testen, bundlen, preisen. Ohne Daten bleibt nur Bauchgefühl – und Bauchgefühl ist teuer.


3️⃣ Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil. Kurze Entscheidungswege nicht als „Agilitätsfolklore“, sondern als harte Wettbewerbsfähigkeit.


Und 4️⃣: Brand verliert - zumindest bei Kunden mit knappen Budgets. Gilt für Starbucks ebenso wie für Deutsche Autohersteller.


Manche erkennen die Dynamik. Wenige übersetzen sie in eine strukturierte Pricing- und Transformationsagenda.


Genau an dieser Schnittstelle arbeiten wir als Strategie- und Transformationsberater – und genau diese Mechanik haben Dr. Michael Höfelmeier und ich in unserem Buch „Professionelles Pricing in turbulenten Zeiten“ beschrieben.


Wer nicht reagieren, sondern gestalten will, muss hier ansetzen.


Bei weiterem Interesse, gerne bei mir melden.

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