Große Worte. Leere Inhalte.

Gastauthor

von Markus Milz

16.04.2026

1776293250360

21.23 Uhr. Mein Zug rollt in den Berliner Hauptbahnhof ein.

Eigentlich wollte ich...


...fliegen. Aber Lufthansa hatte andere Pläne mit mir. Also Bahn. Und überraschend pünktlich.


Ich steige aus, komme aus meinem Zug.


Und innerhalb von Minuten bin ich in einer komplett anderen Welt:


Vor ein paar Stunden noch: Schwäbische Provinz. Mittelstand. Hidden Champions. Menschen, die liefern. Nicht reden.


Jetzt: Licht. Inszenierung. Politik. Große Worte.


"Wir sind arm - um nicht zu sagen pleite - aber sexy". Und Dank Länderfinanzausgleich finanziert mein schwäbischer Mittelständler zähneknirschend den Berliner Glanzverwalter, den selbstdarstellerischen Prestige-Inszenierer.


Dann: Taxi.


„Gendarmenmarkt?“


Der Fahrer schaut mich an, als hätte ich ihn beleidigt.


„Das ist ein Katzensprung!“


"2,5 Kilometer. Google sagt: 34 Minuten zu Fuß" entschuldige ich mich - und ärgere mich über mich selbst, dass ich glaube mich erklären zu müssen.


Ich steige ein, wir fahren los. Friedrichstadtpalast. Unter den Linden. Reichstag.


Alles glänzt.


Und plötzlich wird mir etwas klar:


Diese Stadt ist ein perfektes Sinnbild für das, was in Politik und vielen großen Organisationen gerade passiert:


Außen: Glanz.

Innen: Orientierungslosigkeit.


Viele Dinge wirken groß, sind aber in Wahrheit sehr klein: Große Strategien, große Worte, große Visionen.


Aber wenn man genauer hinschaut fehlt die Substanz - hinter der Fassade ist außer Rhetorik nichts.


Wir diskutieren Strategien, bauen Gremien, optimieren Prozesse –

während sich die Spielregeln in der Welt längst verändert haben.


Und genau da liegt das Problem vieler Organisationen heute, egal ob Unternehmen oder Volkswirtschaften: Sie verwechseln Aktivität mit Relevanz.


Altehrwürdige Institutionen, z.B. viele Verbände - im letzten oder gar vorletzten Jahrhundert gegründet - stehen vor einer brutalen Realität:


Wissen ist nicht mehr exklusiv, Netzwerke sind nicht mehr knapp - und qua Compliance oft auch gar nicht mehr legal nutzbar.


KI demokratisiert beides in Sekunden, Compliance gibt beidem den Rest - und beides stellt die Existenzberechtigung von Institutionen in Frage.


Und trotzdem agieren viele, als wären wir noch im Jahr 1995.


Morgen arbeite ich mit dem Vorstand eines führenden deutschen Verbandes an genau an dieser Frage:


👉 Was ist unsere Existenzberechtigung in einer Welt, in der unser Kernnutzen verschwindet, wofür braucht es uns eigentlich noch?


Das ist keine theoretische Diskussion.


Das ist Überleben.


Wenn du Teil dieser Realität bist - Verband, Verein, Unternehmen mit schwindendem Geschäftsmodell – und nicht Teil der Illusion bleiben willst:


Lass uns sprechen!