Politik und Wirtschaft leben in zwei Realitäten

Gastauthor

von Markus Milz

16.12.2025

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Warum ich nie als Politikberater arbeiten könnte...


...und statt dessen lieber mittelständischen Unternehmen in Fragen von Strategie, Leadership und Sales helfe.


Gabor Steingart fasst die Gründe in seinem gestrigen Morning Briefing perfekt zusammen:


"Friedrich Merz kann froh sein, dass er nicht mehr bei BlackRock arbeitet. Wer in der Wirtschaft vollmundig einen „Herbst der Reformen“ ankündigt, um anschließend dem Aufsichtsrat Stagnation zu melden – bei gleichzeitiger Expansion von Kosten und Krediten –, blickt in den Abgrund. Er löst kein Stirnrunzeln aus, sondern eine Ad-hoc-Mitteilung.


Im Wiederholungsfall folgt der Aufhebungsvertrag. Und plötzlich ist auch der Zugangscode zu Chefbüro und Firmenflieger deaktiviert. Bis heute gilt in Wirtschaftskreisen das Motto des legendären General-Electric-Chefs Jack Welch: „Hire slow, fire fast.“


Warum das in der Politik anders läuft, hat strukturelle Gründe, die Friedrich Merz nicht zu verantworten hat, auch wenn er heute davon profitiert. Hier die wichtigsten Unterschiede.



#1 Politik belohnt Rhetorik, Wirtschaft Resultate


In der Politik hat Rhetorik Vorrang vor messbaren Ergebnissen. Anders ist nicht zu erklären, dass Angela Merkel 16 Jahre für Millionen Menschen schrumpfenden Wohlstand bei verlangsamtem Wachstum lieferte, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ihr wirtschaftspolitisches Scheitern wurde nie karrierewirksam.


Auch Friedrich Merz versucht, seine inländischen Misserfolge durch die Erzählung vom Außenkanzler zu veredeln.



#2 Machtfragen überlagern Sachfragen


Wer als Vorstandsvorsitzender mehrere Quartale hintereinander seine Ziele verfehlt, Prognosen revidiert und seine Ankündigungen ständig neu „einordnet“, löst keine Debatte über Narrative aus – sondern leitet damit seinen Rückzug ein. Auf ihn wartet eine Abfindung, aber keine zweite Amtszeit.



#3 Die Macht der Netzwerke: Politik belohnt zuerst Loyalität, Wirtschaft zuerst Leistung


Die Kernkompetenz eines Vorstandsvorsitzenden wird in Kennziffern gemessen. Der ehemalige Adidas-Chef Kasper Rorsted erläuterte das Prinzip so: „Numbers don’t lie.“


In der Politik gibt es keine vergleichbaren Kennziffern, dafür aber reißfeste Netzwerke.



#4 Politik rekrutiert inzestuös, Wirtschaft global


Parteien schauen bei der Neuaufstellung immer nur auf die eigene Mannschaft. Damit rekrutiert sich der Führungsnachwuchs einer jeden Partei aus dem denkbar kleinsten Talentpool.


In der Wirtschaft schauen die Aufsichtsräte nach innen und gleichzeitig auch zur Konkurrenz. Der aktuelle Adidas-Vorstandschef kommt vom Konkurrenten Puma. Der starke Mann der Bayer AG, CEO Bill Anderson, stammt aus Texas.



#5 Ämtertausch statt Richtungswechsel


Durch fehlende Impulse von außen kommt es in der Politik meist nur zum Ämtertausch, nicht zum Richtungswechsel. In der Wirtschaft dagegen ist Disruption die Grundvoraussetzung zum Überleben."



Liebe Politiker - euch ist nicht zu helfen.


Liebe Unternehmer: Euch schon! Gerne melden, wer mag!