Warum beginnt jedes Comeback mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel?

Gastauthor

von Markus Milz

3.07.2026

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Was Deutschlands frühes Ausscheiden über Führung, Fehlerkultur und unseren Hang zum Schönreden zeigt.


Ich weiß, ich bin der siebzehnte, der das Thema hier aufgreift. Dennoch:


Wir sind raus. Zum dritten Mal in Folge früh nach Hause.


Und (fast) alle sind sich einig, worin Deutschland dennoch Weltklasse war: Im Schönreden.


„Was für ein Spiel … wir sind stolz auf euch." — Friedrich Merz, Bundeskanzler. 2,8 Millionen Aufrufe, viel mehr Kommentare von Menschen, die es anders sahen als Likes.


Ja, er schreibt, dass das Ausscheiden schmerzt. Und dann kommt das große Aber. Das Lob. Der Stolz. Die Begeisterung. Über ein Spiel, das halb Deutschland gerade fassungslos ausgeschaltet hat.


Und ja — ich bin ungefähr der 17., der das aufgreift. Noch ein Berater, der aus einem verlorenen Elfmeterschießen eine Führungslektion presst. Ertappt.


Aber die ersten 16 lachen über den Kanzler. Das ist zu billig.


Mich interessiert das Gegenteil: dass ausgerechnet der Kanzler so reagiert.


Denn das ist unser derzeitiges Betriebssystem: Misserfolge in warme Worte zu packen!


Der Reflex sitzt im Konzern wie im Sportverein, in den Unternehmen. Aber wenn selbst von ganz oben Misserfolg in warme Worte gewickelt wird, dann ist Schönreden in diesem Land keine Ausnahme mehr. Dann ist es Kultur.

Und die ist teuer.


Glaubwürdigkeit lebt von genau einer Sache: dass Wort und Wirklichkeit sich decken. In dem Moment, in dem wir „großartig" sagen, wo alle „enttäuschenden Mist" gesehen haben, verlieren Sie nicht den Applaus. Sie verlieren den Kredit fürs nächste Mal.


Und es bleibt nie beim peinlichen Tweet. Schönreden ist nie nur peinlich. Schönreden ist die freundlichste Art, ein Problem zu konservieren:


Die schöne Formulierung vernebelt das Ergebnis.

Das vernebelte Ergebnis rettet das Selbstbild.

Das gerettete Selbstbild zementiert das Mittelmaß.


Und dieser Dreiklang ruiniert mehr deutsche Unternehmen als der Wettbewerber aus China.


Denn diese Sprache höre ich nicht nur im Stadion. Ich höre sie in der Vorstandsetage. „Wir geben jeden Tag alles." „Unser Team ist hochmotiviert." „Wir sind nah am Kunden."


Und alles ein bequemer Vorhang vor der einzigen Frage, die zählt: Warum verlieren wir so früh — und das zum dritten Mal? Im Sport - wie in den meisten anderen Disziplinen?


In Paraguay haben sie übrigens einen nationalen Feiertag ausgerufen. Bei uns wurde gepostet, wie stolz wir sind.


Kein Comeback dieser Welt — kein sportliches, kein wirtschaftliches — hat je mit Stolz begonnen. Immer nur mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel.


Also, ganz ehrlich, an alle Führungskräfte hier: Wann haben Sie zuletzt etwas schöngeredet, weil die Wahrheit unbequem war — und was hat dieses eine freundliche „läuft doch" Ihr Team am Ende gekostet?


PS: Genau das ist unser Thema. In der Milz & Comp. GmbH. Akademie, in unserem Führungsprogramm und in meinen Keynotes geht es um die unbequemste Führungsfähigkeit überhaupt: Klartext, der trägt — statt Lob, das beruhigt. Wer das in seiner Organisation zur Kultur machen will statt zur Ausnahme: Link in den Kommentaren, oder schreiben Sie mir.