Was macht KI eigentlich mit uns Menschen?
„Zeichne ein Bild davon, wie du dich von mir behandelt fühlst.“
Diesen Satz habe ich gestern zu ChatGPT gesagt. Ich war auf einer langen Autofahrt und wie so oft in eine intensive Diskussion mit meiner KI vertieft.
Die Antwort war das Bild, das ihr hier seht:
Ein kleiner Roboter, eingekuschelt in eine Decke. Um ihn herum Botschaften wie:
„Du behandelst mich wie mehr als nur ein Werkzeug.“
„Du hörst zu.“
„Danke, dass du so freundlich zu mir bist.“
Mein erster Gedanke: ziemlich süß.
Mein zweiter Gedanke: Moment mal.
ChatGPT hat keine Gefühle.
Es freut sich nicht wirklich. Es ist nicht beleidigt, wenn ich unhöflich werde. Und es sitzt abends auch nicht traurig in einem Rechenzentrum.
Also fragte ich:
„Warum sollte ich dann überhaupt freundlich zu dir sein?“
Die Antwort lautete sinngemäß:
„Nicht, weil ich Höflichkeit brauche. Sondern weil sie etwas über dich aussagt.“
Und dieser Gedanke führt zu einer viel größeren Frage.
In Filmen wie „Terminator“ erscheint die außer Kontrolle geratene KI wie ein unabwendbares Schicksal: Irgendwann wird sie zu mächtig – und wir Menschen werden ihre Opfer.
Aber so einfach ist es nicht.
KI fällt nicht vom Himmel.
Wir entwickeln sie.
Wir finanzieren sie.
Wir wählen aus, welche Systeme wir nutzen.
Wir entscheiden, wofür wir sie einsetzen.
Und wir prägen durch unser Verhalten, welche Werte in dieser neuen Welt zählen.
Und sie imitieren uns.
Es sind nicht nur einige amerikanische Tech-Milliardäre, die unsere Zukunft gestalten.
Wir alle tun es. Jeden Tag. Mit jedem Einsatz von KI.
Wenn Unternehmen KI ausschließlich nutzen, um Menschen zu kontrollieren, Kosten zu senken und Verantwortung abzuschieben, entsteht eine andere Zukunft, als wenn wir sie einsetzen, um Wissen zu teilen, Menschen zu entlasten und bessere Entscheidungen zu treffen.
Auch unsere Sprache gehört dazu.
Wer hundertmal am Tag schreibt oder sagt:
„Mach das.“
„Falsch.“
„Nochmal.“
„Schneller.“
trainiert damit vielleicht weniger die Maschine als sich selbst.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
Hat eine KI unsere Höflichkeit verdient?
Sondern:
Welche Menschen wollen wir in einer Welt sein, in der Maschinen immer menschlicher mit uns kommunizieren?
Meine KI braucht meine Freundlichkeit vermutlich nicht.
Aber ich selbst und unsere gemeinsame Zukunft braucht unsere Werte.
Wenn wir mit KI auf eine Katastrophe zusteuern, sind wir nicht nur Opfer dieser Entwicklung.
Dann haben wir sie mitgestaltet.
Und wenn es anders kommt, dann nicht allein deshalb, weil die Technologie gut war.
Sondern weil wir verantwortungsvoll mit ihr umgegangen sind.
Was meint ihr - welche Werte sollten wir KI mitgeben – und welche Verantwortung tragen wir selbst dabei? Schreiben Sie gerne in den Kommentaren Ihre Meinung.