Wenn aus Kostensenkung plötzlich Nachhaltigkeit wird

Gastauthor

von Markus Milz

6.08.2026

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Eigentlich wollte ich gestern Abend nur mein Hotelzimmer finden.

Stattdessen...



...bekam ich eine Lektion in schlechtem Storytelling.


22:30 Uhr. Ich komme im Hotel an.


Mein Zimmer: 317


Der Wegweiser sagt:

➡️ 300–316

⬅️ 318–328


Ich versuche also meinen Platz in dieser Welt zu finden.


Da ich als Vertriebsprofi gelernt habe, nie nur zu raten, sondern im Zweifel einfach zu fragen 😉 bin ich also zurück zur Rezeption.


Dort klärte man mich auf, wo sich mein Zimmer befände - im neuen Anbau.


Außerdem erhielt ich ein Kärtchen mit der Botschaft:


"Aus Nachhaltigkeitsgründen wird das Zimmer standardmäßig erst nach der 4. Nacht gereinigt."


Wenn ich es anders wolle, solle ich bis 21 Uhr Bescheid sagen. Um 22:30 Uhr.


Grundsätzlich: geschenkt.

Ich kann mein Bett selbst machen.

Und ich brauche keine täglichen Handtuchwechsel.


Auch habe ich verstanden, dass es vielen Hotels weniger darum geht den Planeten zu retten sondern darum, Personalnot zu managen, Kosten zu sparen und dafür die grüne Welle zu reiten.


Also spiele ich gerne mit.


Aber dann entglitten mir doch meine Gesichtszüge, als ich meine ernst gemeinte Frage stellte


„Alles gut. Aber den Müll könnte man doch trotzdem einmal am Tag rausbringen, oder?“


Zum Beispiel dann, wenn Bananenschalen oder Essensreste im Zimmer liegen.


„Nein, das ist nicht vorgesehen.“


Aber - und jetzt wird es wirklich interessant - für einen kleinen Obolus von 4,90 Euro pro Nacht sei man bereit, Bäume zu pflanzen.


Da war ich kurz sprachlos.


Nicht, weil ich etwas gegen Nachhaltigkeit hätte. Im Gegenteil.


Sondern weil hier etwas verkauft werden sollte, das in Wahrheit etwas ganz anderes ist:


Kostensenkung im Gewand der Moral.


Und genau das ist ein Kommunikationsfehler, den viele Unternehmen machen.


Natürlich darf man Prozesse verändern.

Natürlich darf man sparen.

Natürlich darf man auf Personalknappheit reagieren.


Aber bitte verkauft eure Kunden nicht für dumm.


Nennt es, was es ist.

Wenn ihr Leistungen reduziert, dann sagt das ehrlich.

Wenn ihr Kosten senkt, dann sagt das sauber.

Wenn ihr Nachhaltigkeit ernst meint, dann lebt sie glaubwürdig.


Denn gutes Storytelling hat nicht die Aufgabe, Realität zu verkleiden.


Gutes Storytelling macht Realität verständlich, plausibel und vertrauenswürdig.


Schlechtes Storytelling dagegen?


Das merkt der Kunde sofort.


Dann wird aus Kommunikation keine Bindung, sondern Irritation.


Und aus einer Geschichte kein Verkaufsargument, sondern eine Ausrede.


Kunden sind keine Rettungsprojekte, sondern Gäste.


Und Gäste erwarten eine Leistung – keine Legende.


Gute Geschichten verkaufen. Schlechte vergraulen.


Übrigens spreche ich darüber beim 5. QR Quality Reservations Redebedarf am 22. Oktober 2026 in Frankfurt:


Über neue Märkte, Kommunikation, Storytelling und die Frage, warum Kunden sehr schnell merken, wenn Unternehmen ihnen etwas „schön erzählen“, statt es gut zu machen. Und darüber was Hoteliers von anderen Industrien lernen können.